Wenn am Brennpunkt nichts zündet
Die SPD verliert ihren provinziellen Problembären und der Vorstand hat vor, zwei Jungs an die Spitze der Partei zu setzen, die für den rechten Flügel stehen, die für die beim Volk unbeliebte Agenda 2010 stehen und last but not least für die Basta-Politik von dem Doris sein Mann stehen. Wen die beiden Herren keinen Linksschwenk machen, wird es für die Partei Die Linke ein Leichtes sein, in der Breite sozialdemokratische Themen zu besetzen und der SPD bei den kommenden Wahlen den Rang abzulaufen.
Ein politisches Pulverfass, zu dem die ARD zurecht einen Brennpunkt sendet. Und dann langweilt.
Es hätte so spannende Bilder und O-Töne gegeben, heute nachmittag auf Phoenix liefen die, teilweise sogar in der Tagesschau vor dem Brennpunkt. Franz Müntefering, der vergangene Woche beim Wahlkampf in Bayern schon seinen aktuellen Wohnort Bonn mit seinem ehemaligen und künftigen Arbeitsort Berlin verwechselt hatte. Frank Walter Steinmeier, der sich bei der Presseerklärung heute nachmittag verspricht und statt "wählen" von "fehlen" spricht. Überhaupt, die Presseerklärung. Hubertus Heil und Steinmeier beim Zerknirschtsein und nach Worten ringen. EIn Zeitdokument, dass der ARD-Brennpunkt auf den Versuch einer Wahlkampfaussage zusammenkürzt, die Steinmeier am Ende der kurzen Erklärung abgab. Man hätte Andrea Nahles zeigen können, wie sie aus dem Klausurgebäude kommt, sichtlich erschüttert, weil sie wohl ihre Felle als Strippenzieherin der parteiinternen Linken davon schwimmen sieht.
Nein, es gibt kurze Rückblicke auf die Karrieren von Kurt Beck, Münte, Steinmeier, es gibt eine gefasste Nahles, lediglich der offensichtlich von Becks Entscheidung extrem angepisste SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck brachte einen neuen Aspekt zum Thema, allerdings hätte auch der härter befragt werden können.
Heute und in den vergangenen Tagen gab es soviele Gesichtsaudrücke und Aussagen, der Brennpunkt hätte, wie erwähnt, eine spannende Dokumentation der Selbstzerfleischung der Sozialdemokraten werden können, aber er wurde die langweilige Widerholung dessen, was wir schon wussten. So hätte ich's auch hinbekommen, liebe ARD.
Update 22:01 Uhr:
Interessant, dass es die Printmedien besser hinbekommen:
taz zum Thema
SPON zum Thema
FAZ zum Thema
(Links via @ChristianSoeder)
