7.9.08

Wenn am Brennpunkt nichts zündet

Die SPD verliert ihren provinziellen Problembären und der Vorstand hat vor, zwei Jungs an die Spitze der Partei zu setzen, die für den rechten Flügel stehen, die für die beim Volk unbeliebte Agenda 2010 stehen und last but not least für die Basta-Politik von dem Doris sein Mann stehen. Wen die beiden Herren keinen Linksschwenk machen, wird es für die Partei Die Linke ein Leichtes sein, in der Breite sozialdemokratische Themen zu besetzen und der SPD bei den kommenden Wahlen den Rang abzulaufen.

Ein politisches Pulverfass, zu dem die ARD zurecht einen Brennpunkt sendet. Und dann langweilt.
Es hätte so spannende Bilder und O-Töne gegeben, heute nachmittag auf Phoenix liefen die, teilweise sogar in der Tagesschau vor dem Brennpunkt. Franz Müntefering, der vergangene Woche beim Wahlkampf in Bayern schon seinen aktuellen Wohnort Bonn mit seinem ehemaligen und künftigen Arbeitsort Berlin verwechselt hatte. Frank Walter Steinmeier, der sich bei der Presseerklärung heute nachmittag verspricht und statt "wählen" von "fehlen" spricht. Überhaupt, die Presseerklärung. Hubertus Heil und Steinmeier beim Zerknirschtsein und nach Worten ringen. EIn Zeitdokument, dass der ARD-Brennpunkt auf den Versuch einer Wahlkampfaussage zusammenkürzt, die Steinmeier am Ende der kurzen Erklärung abgab. Man hätte Andrea Nahles zeigen können, wie sie aus dem Klausurgebäude kommt, sichtlich erschüttert, weil sie wohl ihre Felle als Strippenzieherin der parteiinternen Linken davon schwimmen sieht.
Nein, es gibt kurze Rückblicke auf die Karrieren von Kurt Beck, Münte, Steinmeier, es gibt eine gefasste Nahles, lediglich der offensichtlich von Becks Entscheidung extrem angepisste SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck brachte einen neuen Aspekt zum Thema, allerdings hätte auch der härter befragt werden können.

Heute und in den vergangenen Tagen gab es soviele Gesichtsaudrücke und Aussagen, der Brennpunkt hätte, wie erwähnt, eine spannende Dokumentation der Selbstzerfleischung der Sozialdemokraten werden können, aber er wurde die langweilige Widerholung dessen, was wir schon wussten. So hätte ich's auch hinbekommen, liebe ARD.

Update 22:01 Uhr:
Interessant, dass es die Printmedien besser hinbekommen:
taz zum Thema
SPON zum Thema
FAZ zum Thema

(Links via @ChristianSoeder)

Statt eines Konzertbesuchs

Stetig in den Regen radeln, bis die Bremskraft gleich null ist und jede Kreuzung ein Schliddern vorm Unfall bedeutet. Ein Bier mit Käsekuchen. Die Frau mit der gehauchten Stimme kennenlernen. Kein Sell-Out, weil sold out. Im Hinterzimmer einer Bar mit edler Holztäfelung und zerschundenen Bambusrollos in einem Sofa mit kaputten Polstern versinken und sich ins Gespräch vertiefen. Reden. Viel Reden. Schön reden, nicht schönreden. Merken, dass der Regen stärker wird. Nicht gehen wollen. Dann beginnen die Herr Lehmanns vorne am Tresen lärmige Begleitung zu zu lautem "Just a perfect day" in der Version dieses belgischen Kinderchores. Stillos. Wir sind uns über die Schönheit von Stil einig und gehen einen Laden weiter an die Bar. Und reden. über Freiheit. Über den Vorteil von Übergängen. Den Zwang der ewig Zwanglosen. Vom gut gehen. Gut leben.
Als der Müncher zu nerven beginnt, ist es bald halb fünf. Zahlen. Pinkeln.
Zum Abschied umarmen. Auf bald! Echt jetzt.
Musik ins Ohr. Einen hohen Gang treten. Allein durch Berlin. Am Abgeordnetenhaus beinahe einen Wachpolizisten überfahren, der aussieht wie aus einer Erzählung von Ludwig Thoma. Beim Überqueren der Spree lachen vor Glück.
Schlafen.

Der Kater hält sich in Grenzen. Dem Schnaps sei Dank.
Ich hoffe, Du hast heute was hinbekommen, mein Freund.

4.9.08

Werbung (Veranstaltungshinweis)



Und hier die textlastige Werbebotschaft der Veranstalter (minimal von mir bearbeitet, etwas redaktionelle Eigenarbeit muss ja sein…):

Blogs erobern die Internetlandschaft und die Schöne Party präsentiert Euch exklusiv die Hintergründe: Kennens- und nennenswerte Blogs und deren Verfasser frei Haus sowie weiteres Wissenswertes rund um die Blogosphäre. So geben Euch Stefan Niggemeier und Heiko Dilk mit ihrer BILDblog.de-Lesung einen garantiert unterhaltsamen Einblick in ihre kritische Auseinandersetzung mit der BILD-Zeitung. Björn Grau (also ich), Miss Sophie und Martha Dear brillieren zunächst als DJ-Team und dann als Wortakrobaten im Gespräch mit Digital-Bohemian Sascha Lobo. Im Anschluss übernimmt der Blogger mit dem unbestritten besten Geschmack des deutschsprachigen Internets das DJ-Pult: René Walter alias Nerdcore.de mixt Euch einen Electroclash-Bastardpop-Cocktail - „very cool stuff“ eben.

In Sachen Coolness könnt Ihr auch beim DJ-Set von Helmut Lehnert, seines Zeichens rbb-Unterhaltungschef, noch die ein oder andere Lektion lernen. Während das Mischpult auf dem Mainfloor in so guten Händen ist, kann sich DJ Dr.M mit dem Schöne-Party-Mix ein kurzes Päuschen gönnen. Vielleicht holt er sich in der Red Lounge „Entertainment in Beat“ bei Joe Carrera oder schwingt mit Euch zu feinstem Black & Dance von DJ Force im Basement die Hüften.

Blogt, feiert und tanzt Euch schön. Die Schöne Party!

3.9.08

Da geht was in Neukölln

Auch ich, der ich hier im hippen Mitte vor mich hin bin, weiß, was angesagt ist: Neukölln!

Leider ist der Bezirk nicht nur bei lieben Menschen in…
Aber lest selbst:

05. September, ab 17 Uhr:
Gegenkundgebung an der Ecke Hermannstraße/Boddinstraße wegen
NPD-Veranstaltung in der Otto-Suhr Volkshochschule.

Aktuelle Infos auf www.abso-berlin.tk

Der Aufruf:
NPD-Veranstaltung in Nordneukölln

Die rechtsextreme NPD will am kommenden Freitag eine
Informationsveranstaltung in der Otto-Suhr-Volkshochschule durchführen, um
für ihre Frauen-Sektion "Ring Nationaler Frauen" zu werben. Dabei handelt
es sich um eine NPD-Unterorganisation die "den Frauen in der NPD als
Sprachrohr dienen", aber auch für "national denkende, parteienungebundene
Frauen ein Ansprechpartner" sein soll. Von Emanzipation allerdings keine
Spur, als Ideal gilt ihnen nämlich die Frau in der NS-Zeit, auf ihre Rolle
als Gefährtin und Mutter getrimmt. Im Endeffekt soll, ergänzend zum
Rassismus und Antisemitismus der Mutterpartei, durch ausgesprochen
sexistische und anti-feministische Positionen versucht werden, die in der
rechtsextremen Szene unterrepräsentierten Frauen stärker in die NPD
einzubinden.

Diese Veranstaltung reiht sich weiter ein, in die skandalöse
Raumvergabepolitik des Neuköllner Bezirksamts. Wurde der NPD zuletzt am 8.
Mai eine Behindertenfreizeiteinrichtung für ihre menschenverachtenden
Parolen zur Verfügung gestellt, kann sie diesmal zum ersten mal im
links-alternativen Norden des Bezirks Neukölln, der zudem einen hohen
Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund aufweist, für ihre
rechtsextremen Vernichtungsfantasien werben.
Zudem handelt es sich bei Otto Suhr, nachdem die Volkshochschule benannt
ist, um einen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Sowohl aus
politischen Gründen, als auch wegen seiner jüdischen Ehefrau war er
mehrfach von der Gestapo verfolgt worden und musste letztendlich gegen
Ende des zweiten Weltkrieges fliehen.

Aus diesem Grund rufen wir auf, sich am 05. September an der
antifaschistischen Gegenkundgebung an der Ecke Hermannstraße/Boddinstraße
um 17 Uhr zu beteiligen. Artikulieren wir auf vielfältige und kreative
Weise unseren Protest!
Die Nazis wollen um 19 Uhr in der Otto-Suhr Volkshochschule (Boddinstraße
34-38, 12053 Berlin) mit ihrer Propagandashow beginnen.

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Bei Fragen oder Kritk bitte Email an abso@no-log.org.
Wir danken für eure/ ihre Aufmerksamkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Antifaschistisches Bündnis Südost - Berlin


Ich bin ja der Meinung, dass die Argumentation hier etwas unglücklich auf "Nazis nur nicht, wo wir sind" rausläuft, aber grundsätzlich gilt auch bei mangelhafter Zeichensetzung im Schriftbild: Echte Zeichen im echten Leben setzen! Nazis überall entgegentreten. Immer.
Wer also am Freitagnachmittag keinen Sachzwängen erlegen ist und sich nahe Neukölln aufhält…

Mein monochromatischer Freund

Da sich gerade eh die ganze virtuelle Welt nur für diese neuen Guglhupf, äh, diese neue Brause, ach ihr wisst schon, interessiert, kommt hier ja eh keiner zum Lesen vorbei. Kann ich ja auch weiterhin nix schreiben. Oder?

30.8.08

Techniknostalgie

Die Software für die Fahrkartenautomaten für den Schienenregionalverkehr am 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof wird durch Einführen einer 3,5-Zoll-Diskette in ein passendes Laufwerk aufgespielt, wie ich vorgestern sehen durfte. Ich dachte, diese Dinosaurier der Frühgeschichte der Datenträger gibt es nicht mehr. Aber wahrscheinlich gibt es noch Fahrkartenautomaten, die mit Lochkarten funktionieren.

28.8.08

Roboterliebe

Hier geht es weder um den unglaublich süßen wall-e noch um den für 2010 angekündigten I, Robot 2.

Im Schaufenster der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen steht eine Kopie von C-3PO. Als ich heute dort im Bus vorbeifuhr, stand eine Mitarbeiterin des Museums daneben und unterhielt sich ganz beiläufig mit ihm. Mir ging das Herz auf vor Freude.

27.8.08

nachtschicht

rastlos übermüdet pulst zu viel aufregung in mir. seit tagen nachtschichten. der alte hund bellt noch. will rauchen, habe aber keine kippen. hab doch aber immer geraucht bei nachtschichten. saß am offenen fenster, hab die müdigkeit gefickt und geraucht:

nachtarbeiter.
nachtfahrer. durch die nacht im gelben licht am schwülen bologna vorbei, hinter modena wird das licht kälter, ab rovereto wird die luft frisch. immer das fenster offen, scharfe zigaretten gegen den schlaf, den brenner hoch, in innsbruck tanken, über den fernpass ist's kalt. eine kippe noch. das fenster hochkurbeln, die heizung auf anschlag hochdrehen. schwitzen. das fenster auf, die heizung aus. frieren. rauchen. gegen den schlaf kämpfen. ins allgäu. auf die autobahn. es wird wärmer.
am schreibtisch über dem text zusammenbrechen, eine kippe und am fenster stehen. nervös auf die straße schauen, ruhe wünschen, doch im kopf pocht alles.
bier trinken, soll beim einschlafen helfen. tut es aber nicht, es macht nervös. ich bin gern nervös. noch ein paar seiten schreiben, noch eine zigarette. immer nervöser, immer unkonzentrierter. aufgeregt, weil die deadline näher kommt. gegen die gewohnheit und trotz des herzrasens kaffee trinken. nicht schlafen können. nicht mehr arbeiten können. nervös ein bisschen pornobildchen im netz gucken, vor lauter nervosität keinen hochbekommen. minesweeper spielen. durchs nächtliche tv-programm zappen. eisenbahnfahrten. mondlandungen. titten. telefonnummern. noch ein bier, noch eine zigarette. die augen fallen zu, aber ich kann nicht schlafen. noch eine zigarette. schmeckt schon lang nicht mehr.
ins bett liegen. im bett liegen. all die gedanken. der text. das herzrasen. das ficken der anderen. die deadline. der text. alles vermischt sich in meinem kopf. kann ich schlafen?
aufwachen. spät. sofort wieder gedankenautobahn quer durch meinen kopf. irgendwas aus dem kühlschrank nehmen. lesen. rauchen. pornobildchen im netz gucken. jetzt geht's. sport im tv schauen. lesen. eigentlich was schreiben müssen. ich glotz tv. pizzaservice anrufen. tortellini bestellen. ein bier dazu. rauchen.
eine neue nachtschicht anfangen.

25.8.08

Reich und schön sein

Auf dem Weg zur Lohnarbeit durchradel ich ein Reichenghetto. Und wenn ich da so durchradel, denke ich oft: Warum nur bin ich keine Gattin eines reichen Mannes?

Ich könnte mit dem Alfa Spider zum Biomarkt fahren. Oder mit teurem Sportdress, teureren Laufschuhen und teuerstem mp3-Player durchs Viertel joggen, den Golden Retriever ausführen. Vielleicht den Vorgarten pflegen und dabei das neue hautenge Versaceoberteil zur Karottenjeans aus der Edelboutique und diesen hässlichen Gummiclocks tragen. Ich könnte mit den Handwerkern schäkern oder den UPS-Boten reinbitten…

Früher dachte ich, das seien dumme Klischees. Nun aber weiß ich: Es ist ein schönes Leben.

Benimmregel

Witze erklären ist doof.

21.8.08

Ich tu nur so

Als ich mich gerade zwischen Bloggen und Insbettgehen entscheiden musste und mich für die Koje entschied, fiel mir auf: ich bin kein Blogger.
Ich schreib nur manchmal was ins Internet.

20.8.08

An das faule Stundentenpack

Liebe Studenten und Studentinnen, die ihr der Gesellschaft auf der Tasche liegt und dauernd mit ERASMUS oder INTERRAIL durch die Welt gurkt:

Fangt endlich an, was zu leisten! Denn:

Urlaub ist konterrevolutionär!
(via email von ein Kollege von Frau Strophe)

19.8.08

heute habe ich beschlossen, mich nicht in dich zu verlieben

ausbrechen. einbrechen. erbrechen. abrechnen. rechenschieber. schiebermütze. du dumme sau. fieberschütze. lustschürze. hirsegrütze. regenpfütze. tränenreich. elfengleich. du armes schwein. elfer raus. sommerhaus. sofort. an einem andern ort. vielleicht. nirgends. würgen. jürgen. korn. feld. wald. und wiesen. wissen. macht. haber. maßkrug. betrug. umzug. ausflug. genug. oder?

aufbruch, stallgeruch, mundgeruch, palituch, notizbuch. such mich. sucht. ich. sucht dich. sucht. schlucht. tiefes tal. schal. alles schmeckt so. fahl. alles licht ist. banal. egal. oder?

doch.