15.8.07

Entfremdung

Ich. Ich bin. Ich bin nicht wichtig. Ich habe keine Rechte als arbeitender Mensch.

Nicht nur, dass mensch hier abends, wenn alle Kaffeeausschenker in ihren unverdient frühen Feierabend gehen, wie die Hunde, Ratten und Schimpansen aus dem Versuchslabor vor dem Automaten steht, eine Münze einwirft, einen Zahlencode eingibt und entgeistert zuschaut, wie ungesunde Weißmehlzuckerfarbstoffglutamatverbindungen aus den Fängen der sich drehenden Spirale entlassen werden und unsanft auf den Boden des Automaten plumpsen, wo sie gierig vom robotenden Mensch herausgefingert werden (die leichten Stromschläge getrost ignorierend).
Nein, wir dürfen auch unser Bürofenster nicht öffnen.
Was wir auch nicht immer dürfen, ist im Schatten zu arbeiten. Gerade eben hat die Jalousie am nach Südwesten ausgerichteten Fenster beschlossen, automatisch hochzufahren. Nun dauert es ca. eine Viertelstunde, bis ich von der Elektronk die Freigabe bekomme, sie manuell wieder herunterzufahren. Solange blendet mich die Augustsonne.

Konditionier mich! Bitte bitte! Ich leck Dir auch die Stiefel, wenn ich danach ausreichend Obstkisten bekomme, um mir ein Podest zu bauen, von dem aus ich an die an der Zimmerdecke hängende Bananenstaude komme.

Kommentare:

Julie Paradise hat gesagt…

Björn, immer dran denken: "Das steht Ihnen nicht zu."

anne hat gesagt…

genau, du bloße studentische hilfskraft!

Björn Grau hat gesagt…

anne, ich hab doch aber was an!

lana hat gesagt…

sommer und südfenster sind ohnehin überbewertet. kühle heißt der luxus der zukunft.

Björn Grau hat gesagt…

@lana: ja, nur schade, dass in unserem büro sommer und südfenster zu unerträglicher hitze führen...

Anonym hat gesagt…

Ich möchte das geschätzte Interesse nochmal auf den Automaten richten. M.E. gibt es fünf Regressionsstufen menschlicher Ess- und Servierkultur:

1. Man kocht für jemand anders oder wird bekocht, meinetwegen auch in einem guten Restaurant - hier baut man ein Verhältnis zueinander auf mittels des Essens. Essen als gesellschaftliche Verkehrsform sozusagen.

2. Man kocht für sich selbst. Ein gesundes Selbstverhältnis zeugt von sozialer Kompetenz.

3. Man fährt zum McDrive. Essen ist hier wie Tanken - eine industrielle Versorgung mit Kraft- und Schmierstoffen, und der einzelne Mensch immerhin noch ein Zahnrädchen im große Getriebe der Kapitalverwertung.

4. Der Süßwarenautomat. Hier ist der Mensch vollkommen degeneriert, vereinzelt, vertiert und auf das Absolvieren Pawlowscher Versuchsreihen gestützt. Das Gefühl, das man hat, wenn die Nachmach-Bifi von den schlangenförmigen Ringen nach vorn gedrückt wird, um dann nach unten in die Futterrinne zu fallen. Unbeschreiblich. Eine Viehfutteranlage in Schweine- oder Rinderställen funktioniert genauso.

T.

Anonym hat gesagt…

Okay, das sind nur vier... Ich hatte auch nach das Mikrowellenfertigessen gedacht. Aber das ist zum Selberausmalen...

T.

lana hat gesagt…

@ T.: ad 4: so ist es. die futterrinne. und wenn man dann mit der hand in die klappe greift, fühlt man sich wie der affe in dem disney-realfilm aus der serengeti - kennt den noch jemand? der affe greift in ein präpariertes loch, um an eine wurzel zu kommen, kann dann aber seine faust nicht mehr herausziehen und ist fette beute für die buschmänner... dann geben sie ihm salz und er führt sie in die geheime wassergrotte.

Björn Grau hat gesagt…

lana: das ist doch der film mit den besoffenen elefanten, oder? toller streifen!

lana hat gesagt…

bingo! kein disney, sondern "die lustige welt der tiere" von 1974 (r: jaymie uys, p: südafrika). klassiker!