4.10.07

Der 3. Oktober als Tag der deutschen Einheit

In den vergangenen 48 Stunden erlebte ich eine Handvoll Gespräche und Texte, die sich rund um den Mauerfall, die Wiedervereinigung und den Weg ins Zusammenleben drehten. Eine Französin, die gerade ein Auslandsjahr in Berlin absolviert, hat uns, die wir die DDR noch ein paar Jahre bewusst miterlebt hatten, nach unseren Erinnerungen und Sichtweisen befragt. Eine Kommilitonin sprach von dem Ort, an dem sie heute lebt (Berlin Friedrichshain) und wurde sich wieder dessen bewusst, dass ohne Mauerfall und Einigungsvertrag ihr Platz in der Welt heute ein anderer wäre. Der Spreeblick-Max und der Spreeblick-Malte sprechen ebenfalls über ihre Erinnerungen und Sichtweisen. SirParker sprach vom Volkstrauertag - eine Freundin und ich sprachen vom Beitritt der DDR als einer Annektion durch die Bundesrepublik - wir alle zwinkerten mit den Äuglein und sind uns im Klaren über die schönen Momente, die die Ereignisse der Jahre ca. 1987/88 bis 1990 ermöglicht haben.

Bei allen Gesprächen und auch in einigen Kommentaren ist mir ein Aspekt erneut aufgefallen: Der 3. Oktober hat im Grunde genommen für niemanden eine emphatische Bedeutung. Jeder weiß, dass an diesem Tag der Einigungsvertrag unterzeichnet wurde. Doch der Tag, der als Symbol für das Einreißen der Grenze und das sich Vereinen in unserem kollektiven Gedächtnis besteht, ist der 9. November. Die Bedenken, den 9. November zu einem nationalen Feiertag zu erklären, sind nachvollziehbar. Die dunklen Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts machten es quasi unmöglich, diesen Tag als Feiertag zu begehen. Und doch hätte die Möglichkeit bestanden, mit der Wahl des 9. November sowie der diskursiven Verlinkung mit dem Jahr 1989 eine positive Neubewertung dieses Tages in den Vordergrund zu stellen, und dabei trotz allem die Ambivalenz des Tages nicht zu vergessen. Dies hätte ziemlich gut auch zu der generellen Ambivalenz der deutschen Geschichte gepasst.

Kommentare:

Wolfgang Hömig-Groß hat gesagt…

Über diesen Termin habe ich mich auch schon oft gewundert, bin dann aber zu dem Ergebnis gekommen, dass es für die BRD vor allem unerträglich gewesen wäre, im Termin 9.11. de facto die erfolgreiche Rebellion gegen Herrschaft und für Selbstbestimmung anzuerkennen. Jedwede geschichtliche Eigenleistung der DDR-Bevölkerung ist systematisch aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt worden. Beweis: Wegfall des 17. Juni, der als Gedenktag für Demokratie und gegen Diktatur ohne die Existenz einer Diktatur dumme Gedanken provozieren könnte ...

miss sophie hat gesagt…

Erschreckend, aber ja, diese Gedanken haben auf einer tiefenstrukturellen Ebene etwas für sich.