27.11.07

Die Entfremdung des jungen B.

Auf dem Weg von der Schulbussstation unten im Dorf nach Hause gab es an einem steilen Stichweg (und lustigerweise neben der Villa des örtlichen Bauaunternehmers, aber das tut hier nichts zur Sache) ein unbebautes Grundstück, auf dem eine wilde Wiese wuchs.
Irgendwer hatte erzählt, dass manche Menschen aus Löwenzahn Salate machen würden, weshalb wir die Blätter direkt von der Wiese weg probierten. War irgendwie nicht so lecker. Der dort wachsende Sauerampfer allerdings war herrlich. Eine Delikatesse sozusagen, auch wenn wir damals mit dem Wort nichts anfangen konnten.
Irgendwann hat eine Mutter in der Nachbarschaft damit angefangen uns einzubläuen, dass es gefährlich sei, den Sauerampfer zu essen, da er von den Hunden, Katzen, Mardern, Füchsen und sicher auch von manchem flegelhaften Menschen als öffentliche Toilette genutzt wurde. Manche wüssten eben nicht, wo sie hin wollen, wenn sie müssen, und die schiffen dann auf die Wiese. Dass allein sie ja schon ekelig, aber wenn dann die urinierenden Viecher auch noch Bandwürmer auf dem Sauerampfer hinterlassen, dann ist aber Gut Nacht um Sechse für die kindliche Gesundheit.
Ich war damals schon sensibel für Gesunheitstipps und verzichtete fürderhin lieber auf Sauerampfer. Zur Kompensation trug ich mein karges Taschengeld in den Drogeriemarkt einige hundert Meter vor der Baubrache mit der wilden Wiese und tauschte das Hartgeld in Schokoriegel. Irgendwas musste ich ja auf dem Schulweg essen.

Kommentare:

Julie Paradise hat gesagt…

und schon war es um dich geschehen. vom michael stipe-doppelgänger zum ebenbild von ... wer war das noch gleich?

wärste mal beim sauerampfer geblieben ...

Saint hat gesagt…

Julie hat recht. Der Sauerampfer war doch immer viel leckerer als so eine Schlagersüßtafel. Aber halt, Du hattest da andere. Egal, Sauerampfer ist trotzdem um längen besser und soviele urinierende Lebewesen hätte es doch gar nicht geben können, um jeden Ampfer zu treffen wie mit einer Streuflinte. Uns haben sie ähnliches immer bei den Brombeeren erläutert, was uns nicht davon abhalten konnte, diese zu essen. Wir haben dann nur immer die von oben gepflückt.

der G. hat gesagt…

...micheal stipe-doppelgänger? Da sah der Kerle doch richtig gesund aus!!
Was damals "draussen vor der Tür" stand (beckmann... tock... beckmann... tock....tock...) war ja noch mit maskenbildnerischer Unterstützung angetreten. Was ein paar Monate waschen-legen-föhnen und n 3mm-Mecki allerdings anrichten können... Das war nicht mehr weit von hingerichtet weg.... Ne ordentliche Schokoriegel-Kur wäre damals n echter Anfang gewesen! ;o)