26.11.07

Und sowas lernt ihr in der Schule

So kurz nach dem Abitur habe ich die These vertreten, dass es unnütz vertane Zeit und ebensolches Geld sei, angehende Lehrer durch ein fachwissenschaftliches Studium zu jagen. Warum muss sich denn ein Grundschulmathelehrer für Mathe beispielsweise eingehend mit Numerik beschäftigen? Heute sehe ich das anders.

Neulich bin ich aus eigentlich nostalgischen Gründen auf der Homepage meiner alten Schule gewesen. Und nun frage ich mich: Waren die Lehrer damals schon so ... ähm ... nicht-differenziert (um es höflich auszudrücken)?
Eine mir als kritisch engagiert in Erinnerung seiende Politiklehrerin schreibt über ein politisches Frühstück mit Bundestagsabgeordneten, dass es Kaffee, Kuchen und Brezeln gab und intensiv und länger als geplant diskutiert wurde. Aha. Voller Erkenntniswert. Da ist das (von ebendieser Lehrerin verfasste) Mini-Fazit über eine Studienfahrt der Politik-Schöler schon aussagekräftiger: "Berlin hat beeindruckende, schöne und interessanten [sic!] Seiten." Na dann.

Richtig gut fand ich auch, dass Franz Kafka auf der Homepage meiner ehemaligen Schule ein "österreichischer" Autor genannt wird. Kafka war aus Prag und das war zu seiner Lebzeit Teil der österreichisch-ungarischen k.u.k.-Monarchie. Und die nannte die nichtungarischen Teile ihrer Territorien (also auch das in Tschechien liegende Prag) erst ab 1915 offiziell "Österreich". Also kann Kafka auch erst ab 1915 "österreichischer" Schriftsteller sein. Da hatte er aber schon einiges geschrieben und publiziert. Sowieso ist "österreichisch" eine territorial-politische Zuschreibung, die wenig über Kafka aussagt. Er war nunmal kein Politiker sondern Schriftsteller und damit wären kulturell determinierte Zuschreibungen passend. Und in diesem Sinne ist Kafka wohl in einem anderen Licht zu sehen. Er kam aus einer jüdischen Familie, wuchs im deutsch-tschechisch-österreichischen Schmelztiegel Prag auf und schrieb auf deutsch. Das charakterisiert ihn meines Erachtens treffender als "österreichisch". Denkt bei der Zuschreibung überhaupt jemand noch an das Riesenreich der k.u.k-Monarchie? Prager oder deutschsprachiger oder jüdischer oder sogar tschechischer Schriftsteller hätten mich weniger irritiert.

Ich glaube, es bekommt Lehrern nicht gut, die vornehmlich gebildetsten Köpfe in einem Provinzstädtchen zu sein. Ihr wissenschaftliches Repertoire ist auf dem Stand ihres Studiums stehengeblieben, ihr Faktenwissen bekommt (wie alles was mensch nicht trainiert) Löcher und so verzapfen sie irgendwann reichlich verkürztes Zeug. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die SchulmeisterInnen nur den Stoff erlernten, den sie weitergeben müssten, dann bekomme ich ein ungutes Gefühl. Dann würden wohl neuere wissenschaftliche Erkenntnisse und Debatten gar nicht mehr bei den Pennälern ankommen...

Sollte das zu meiner Zeit auch schon so gewesen sein, dass Lehrer so komisches Zeug wie das oben beschriebene verantwortet haben, dann war's ja aber doch nicht sooo schlimm, ich hab ja noch was gelernt in der Zwischenzeit. Ganz so schlecht scheint das Bildungsfundament, dass mir die Lehrer besagter Schule legten, somit nicht zu sein.
Dennoch: Mehr Junge Lehrer in die Schulen! Alte Lehrer zurück an die Universitäten! Das kann nicht gut sein, wenn Lehrer nix mehr lernen.

Kommentare:

miss soophie hat gesagt…

Der Teil mit dem "alte Lehrer zurück an die Uni" gefällt mir. Das hätte für die Jung-Lehrer-Ausbildung gleich noch den Vorteil, dass die Älteren Erfahrungen aus der Schulpraxis in die fachwissenschaftliche Lehrpraxis einbringen können.

Vor allem aber wäre das mal ein sinnvolles Umsetzen des Mottos des lebenslangen Lernens.

Mehr Neugier auf und Freude am Wissen!

Matthias hat gesagt…

nicht gut bekommt den lehrer vor allem, dass sie schon an der universität (meiner erfahrung nach zumindest) zum allergrüßten teil zu den fachlich eher schlechten bis abgrundtief-ahnungslosen studenten gehören - und zum großen teil auch überhaupt nicht interessiert sind, daran etwas zu ändern. weil sie ihren beruf und ihr fach weniger nach kenntnissen und vorlieben gewählt haben, sondern nach vermeintlichen beruflichen chancen und dem passend numerus clausus. das das dann später garantiert nicht besser wird, ist ja nicht weiter verwunderlich ...